Zerrissen, radikal: Immer wieder Beethoven

OrchesterWienerAkademie(c)LBeckMartin Haselböck feuert aus vollem Rohr auf Napoleon: Beethoven-Szenen mit […] der Wiener Akademie.
– von Walter Weidringer (Die Presse)

“Sollte es wirklich in meinem lieben alten Lehrer etwas spuken?“, fragte sich Ferdinand Ries einmal im Hinblick auf Beethovens Geisteszustand. Facetten von dessen genialischer Verschrobenheit standen am Wochenende bei Konzerten in Wien im Zentrum – mit teils verblüffenden Ergebnissen.

[…]  Die komplette Siebte war schon am Freitag im Festsaal der Akademie der Wissenschaften zu hören – einem Abend, der unter dem Motto „Der Wilde mit seiner Maschin’“ hätte stehen können. Die Maschin’ war ein Nachbau von Mälzels historischem Mechanischem Trompeter, der mit Orchesterbegleitung zwei Märsche spielte – und der „Wilde“ natürlich Martin Haselböck, der mit seiner Wiener Akademie radikal vorführte, welch ein exzessiv lärmendes, stampfendes Stück diese 7. Symphonie – zumindest auch – ist. Sein Projekt, Beethovens Symphonien in ihren Uraufführungssälen auf Originalinstrumenten neu zu deuten, lässt uns auch über die Stücke selbst mehr erfahren. Etwa, dass die heute oft als Test für Hifi-Anlagen verwendete, musikalisch eher belächelte Schlachtensymphonie „Wellingtons Sieg“, die den entscheidenden Sieg der Briten über Napoleon feiert, mit ihrem Kriegsgeräusch am historischen Ort geradezu beklemmend wirkt: eine gewaltig-gewaltsame Raumkomposition.

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